Liquiditätsdisposition und finanzwirtschaftliches Gleichgewicht



Bei allen Finanzierungsmaßnahmen ist vom Finanzmanagement stets zu beachten, dass das finanzielle Gleichgewicht der Unternehmung gewährleistet ist. Ein finanzielles Gleichgewicht ist dann gegeben, wenn sowohl die Erfüllung der finanziel­len Ansprüche der Unternehmensträger an die Unternehmung als auch die Existenz der Unternehmung selbst im kurz- bis langfristigen Bereich gesichert ist. Hierbei sind die folgenden Komponenten zu beachten:

 

  • Kurzfristige Liquiditätsdimension: Die Liquidität als Fähigkeit, fällige Zah­lungsverpflichtungen uneingeschränkt erfüllen zu können, ist eine zentrale Exi­stenzbedingung jedes Unternehmens. Die Liquidität muss jederzeit auch im kurz­fristigen Bereich gesichert sein, um drohende Insolvenzkonsequenzen zu vermei­den.

 

  • Langfristige Liquiditätsdimension: Hierbei geht es um strukturelle Zusammenhänge zwischen Kapitalausstattung und Kapitalverwendung. Die Zahlungsfä­hig­keit des Unternehmens ist demzufolge gewährleistet, wenn die Finanzstruk­tur z.B. gemessen durch den Verschuldungsgrad als Verhältnis von Fremd- und Ei­genkapital bestimmten Ansprüchen potentieller Kapitalgeber genügt. In die­sem Zusammenhang sei auf die bei der Kreditvergabe von Banken verwendeten Bi­lanzstrukturregeln verwiesen, auf die im Rahmen des vierten Kapitels noch ein­gegangen wird.

 

  • Rentabilitätsdimension: Das finanzielle Gleichgewicht der Unternehmung ist dann gegeben, wenn einerseits die Ansprüche der Kapitalgeber an die Unter­neh­mung befriedigt werden und andererseits das Unternehmen diese unter Be­rück­sichtigung der eigenen Existenzbedingungen gewährleisten kann. Insofern ist ein finanzielles Gleichgewicht dadurch gekennzeichnet, dass der in einer Pe­riode aus dem eingesetzten Kapital erwirtschaftete Gewinn sowohl eine für die Kapital­geber akzeptable Gewinnausschüttung als auch eine für die Substanzer­haltung des Unternehmens notwendige Thesaurierung gewährleistet.

 

Liquidität als Teil des finanzwirtschaftlichen Gleichgewichts

Komponenten des finanzwirtschaftlichen Gleichgewichts

 

Im Rahmen eines weiteren Liquiditätsaspekts wird Liquidität als Eigenschaft der Vermögenswerte eines Unternehmens aufgefasst, mehr oder weniger leicht als Zahlungsmittel verwendet oder in Zahlungsmittel umgewandelt werden zu können. Dieser Liquiditätsbegriff stellt im Wesentlichen auf die Liquidierbarkeit der ein­zelnen Vermögenswerte ab.

 

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Liquidität als ein Deckungsverhältnis von zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbaren Geldmitteln und fälligen Verbindlich­keiten darzustellen. Je nach Betrachtungsansatz ergeben sich aus der Bilanz unter­schiedli­che Liquiditätskennziffern:

 

Die Grade der Liquidität

Die unterschiedlichen Liquiditätskennziffern

 

Problematisch ist hierbei, dass aus der Bilanz nicht die Liquidationsprozesse der Aktiva erkennbar sind. Insofern ist es unter Umständen möglich, dass die Vorräte schneller veräußerbar als die kurzfristigen Forderungen eingebracht sind, so dass der Zeitbezug der einzelnen Liquiditätskennzahlen nicht mehr gegeben ist.