Die vertikale Zinsstruktur

Im Rahmen der vertikalen Zinsstruktur kann beurteilt werden, ob das aktuell gel­tende Zinsniveau auf dem Geld- und Kapitalmarkt als normal bezeichnet werden kann. Das risikozuschlagsfreie Zinsniveau des Geld- und Kapitalmarktes kann in die von den Finanzmittelanlegern angestrebte Realverzinsung und in die für den Zeitraum der Finanzmittelüberlassung erwartete Inflationsrate zerlegt werden. Gemäß dem Fisher-Effekt gilt es als empirisch gesicherte Aussage, dass zwischen dem Infla­tionsniveau und dem Zinsniveau einer Währung ein eindeutiger Zusammenhang besteht, d.h. Währungen mit hohen (niedrigen) Inflationsraten haben ein hohes (niedriges) Zinsniveau und Änderungen des Inflationsniveaus führen mit nur gerin­gen zeitlichen Verzögerungen zu Veränderungen des Zinsniveaus. Somit kann das in den verschiedenen Ländern für die jeweiligen Währungen geltende unterschiedlich hohe Zinsniveau primär mit den für diese Währungen existierenden Inflationser­wartungen erklärt werden. Die Zinshöhe auf dem Kreditmarkt ergibt sich aus den risikozuschlagsfreien Zinssätzen des Geld- und Kapitalmarktes zuzüglich eines bo­nitätsabhängigen und von der Finanzmittelqualität (Fristigkeit, Risiko, Beratungsin­tensität, u.s.w.) abhängigen Risikozuschlags.

Die als Residualgröße aus der Differenz des Zinsniveaus und der Inflationsrate sich ergebende Realverzinsung unterliegt in allen weltweit wichtigen Währungen unter-schiedlich starken Schwankungen. Für die BRD lässt sich feststellen, dass die Realverzinsung um einen Mittelwert von 3 % schwankt, bislang nicht negativ war und nur geringfügig höher als 6 % gewesen ist. Die USA weist wesentlich größere Schwankungen der Realverzinsung auf, d.h. neben z.T. negativen Realverzinsungen ergaben sich in Hochzinsphasen Realverzinsungen von über 10 %. Signifikante Ab­weichungen vom Mittelwert der Realverzinsung sind als vorübergehende Anomalien der Finanzmärkte im Bezug auf das vertikale Zinsniveau zu interpretieren.

Vertikales Zinsniveau

Das vertikale Zinsniveau