Fristigkeit – Finanzmittelqualität der Marktteilnehmer

Eine aus finanzwirtschaftlicher Sichtweise geeignete dritte Systematisierung der Finanzmärkte muss neben dem Kriterium der Fristigkeit und der Finanzmittelquali­tät auch die Marktteilnehmer auf den einzelnen Marktsegmenten sowie die Deter­minanten der Konditionengestaltung auf diesen Marktsegmenten betrachten:

 

Finanzmärkte:

                                   I. Geldmarkt    ›   pure Rates
                                 II. Kreditmarkt   › pure Rates + bonitätsabhängiger Spread
                               III. Kapitalmarkt › pure Rates
                                IV. Devisenmarkt

 

Geldmarkt

Im Rahmen dieser Systematisierung beinhaltet der Geldmarkt den reinen Inter-Ban­ken-Handel mit Zentralbankguthaben und notenbankfähigen Geldmarktpapieren über standardisierte Fristen im kurzfristigen Bereich. Unternehmen haben in diesem Marktsegment keinen Zutritt.

 

Kapitalmarkt

Auf dem Kapitalmarkt wird die langfristige Überlassung von Fremdkapital für erste Adressen oder die prinzipiell unbefristete Überlassung von Eigenkapital in einem Beteiligungsverhältnis gehandelt.
Da auf dem Geldmarkt und dem Kapitalmarkt für Fremdkapital nur Marktakteure erster Bonität agieren, erfolgt die Zinsbildung unabhängig von Überlegungen hin-sichtlich der Kreditwürdigkeit der Finanzmittelaufnehmer. Insofern bilden sich hier sogenannte „reine Zinssätze“ (pure Rates).


Kreditmarkt

Die pure Rates stellen die Basis für die auf dem Kreditmarkt gehandelten Finanz­mittel zwischen Banken und Nicht-Banken (Bankkreditmarkt) oder zwischen zwei Nicht-Banken (Industriekreditmarkt) dar. Auf dem Kreditmarkt ergibt sich die Zins­höhe aus den pure Rates des Geld- bzw. Kapitalmarktes zuzüglich eines bonitätsab­hängigen Risikozuschlags (Spread), dessen Höhe sich aus der je nach Kreditmarkt­segment angestellten Kreditwürdigkeitüberlegungen ergibt. Der Handel der Finanz­mittel erfolgt auf dem Kreditmarkt prinzipiell kurz- und mittelfristig. Die in der Realität auch vorkommenden langfristige Finanzmittelüberlassungen im Kreditver­hältnis können in der Regel als mehrere, zeitlich aufeinander folgende kürzerfristige Kredite interpretiert werden, bei denen die Banken bestrebt sind, das Zinsrisiko auf die Finanzmittelaufnehmer zu übertragen. In der BRD liegen die Risikozuschläge auf dem nationalen Kreditmarkt zwischen ca. 0,5 % p.a. für Wechseldiskontkredite an erste Adressen und ca. 50 % p.a. bei Lieferantenkrediten unter Verzicht auf ein­geräumte Skontogewährungen.

 

Devisenmarkt

Auf den Devisenmärkten werden Devisen gegen Buchgeld in eigener Währung oder gegen Buchgeld in einer Drittwährung gehandelt. Hierbei ist zwischen dem Devisen-kassamarkt, auf dem die Devisen per sofortiger Fälligkeit gehandelt werden, und dem Devisenterminmarkt, auf dem Devisengeschäfte für spätere Fälligkeiten getätigt werden, zu unterscheiden.

Die vorher dargestellte Struktur der Finanzmärkte zeigt sich auch innerhalb der internationalen Finanzmärkte:

 

Finanzmärkte

Internationale Finanzmärkte

 

 

 

 

 

 

 

 

Euro-Finanzmarkt

Auf den Euro-Finanzmärkten werden Finanzmittel außerhalb ihres Domizillandes (nicht notwendigerweise in Europa) und somit unabhängig von den rechtlichen Re­gelungen des Heimatlandes wie z.B. Mindestreservebestimmungen für Banken ge­handelt. Der Euro-Geldmarkt ist ein reiner Inter-Banken-Markt. Der unter Banken angebotene Zinssatz für Buchgeld wird als LIBOR (London Interbank Offered Rate) bezeichnet. Auf dem Euro-Kapitalmarkt werden z.T. unter Vermittlung von Ban­kenkonsortien Finanzmittel in verschiedenen Währungen auf lange Frist zu für die Laufzeit fixierten Zinssätzen und seit einiger Zeit auch zu variablen Zinssätzen (Floating Rate Notes) zwischen international tätigen Anlegern und Schuldnern erster Bonität gehandelt. Die Zinssätze auf dem Euro-Kreditmarkt ergeben sich aus dem aktuellen LIBOR-Satz zuzüglich des bonitätsabhängigen Spread, der jedoch auf dem Euro-Kreditmarkt u.a. wegen der nicht vorhandenen Mindestreseveverpflichtung und der bezüglich Laufzeit und Betrag standardisierten Kredite im Vergleich zu den na­tionalen Kreditmärkten niedriger ist. Die Risikozuschläge liegen für erste Adressen oft nur bei ca. 0,25 – 0,375 % p.a. und für Finanzmittelaufnehmer niedrigerer Boni­tät bei bis zu 2,5 % p.a.

Auslandsfinanzmarkt

Als Auslandsfinanzmärkte sind die nationalen Finanzmärkte anderer Staaten anzu­sehen. Diese sind für international tätige Unternehmen bei der Finanzierung von Auslandstochtergesellschaften von erheblicher Bedeutung. Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass ein organisierter Euromarkt für Eigenkapital nicht existiert. Inso­fern werden auf den internationalen Finanzmärkten Finanzmittel nur in Fremdkapi­talqualität gehandelt.