Lieferantenkredit

Der ebenfalls als Handelswarenkredit einzustufende Lieferantenkredit entsteht nicht durch die Vergabe von Finanzmitteln, sondern durch die Gewährung von Zahlungs­zielen, so dass der Abnehmer der vereinbarten Leistung den Rechnungsbetrag erst nach einer bestimmten Frist wie z.B. 30 oder 60 Tage begleichen muss. Somit kön­nen kurzfristige Kapitalbedarfe durch die Ausnutzung von eingeräumten Zahlungs­zielen, d.h. durch die Inanspruchnahme des Lieferantenkredits, gedeckt werden. So­fern diese Zahlungsziele kostenlos eingeräumt werden, erfolgt in der Praxis häufig eine Ausnutzung bis zum letzten Tag, da die Zahlungsverzögerung andere Kredit­aufnahmen z.B. vom Kontokorrentkreditmarkt mit den damit verbundenen hohen Kosten substituiert.

Da die Lieferanten aber ihrerseits die Position der Lieferantenkreditgewährung zu finanzieren haben und darüber hinaus aus Gründen der Zahlungssicherung an einer schnellen Zahlung interessiert sind, wird insbesondere bei mittelständischen Unternehmen durch Skontogewährungen ein Anreiz zur Nichtinanspruchnahme der Liefe­rantenkredite gegeben. Eine in der Praxis weitverbreitete Konditionengestaltung beinhaltet ein eingeräumtes Zahlungsziel von 30 Tagen oder alternativ bei vorzeiti­ger Zahlung innerhalb von 10 Tagen einen zugestandenen Skontosatz von 3 %. So­mit sind bei Zahlung bis zum zehnten Tag nach Rechnungstellung nur 97 % der Rechnungssumme zu zahlen. Innerhalb der ersten 10 Tage ist die Inanspruchnahme des Lieferantenkredits also kostenlos, wohingegen der Kredit jenseits der Skontie­rungsfrist für die 20 Tage vom elften bis zum dreißigsten Tag nach Rechnungserhalt 3 % der Rechnungssumme kostet. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass dies ein p.r.t. (pro rata temporis) Zinssatz für 20 Tage ist. Ohne Berücksichtigung einer unterjäh­rigen Verzinsung ergibt sich somit für 360 Zinstage ein p.a. (pro anno) Zinssatz von 54 %. Im Rahmen einer finanzmathematisch genaueren Berechnung ergibt sich ein noch höherer p.a. Zinssatz von 74,35 %.

I = (Skontosatz : (Zahlungsfrist – Skontofrist)) * 360 = (0,03 : (30 – 10)) * 360 = 54%

Somit kann festgestellt werden, dass es sich beim Lieferantenkredit jenseits der Skontierungsfrist um den teuersten Kredit für die Unternehmensfinanzierung handelt. Auch im Hinblick auf die Flexibilität ist die Lieferantenkreditinanspruchnahme nicht als vorteilhaft zu beurteilen, da keine Möglichkeit besteht, bei Überschreitung der Skontierungsfrist spätere Skontierungen zu verringerten Sätzen vorzunehmen. Insofern sind Lieferantenkredite jenseits der Skontierungsfrist als extrem teuer und unflexibel zu charakterisieren.