Zum Einfluss des Finanzmanagements auf die Bilanzstruktur

Langfristige finanzwirtschaftliche Dispositionen können als Entscheidungen über die Bilanzstruktur und damit als Vermögens- und Kapitalstrukturmanagement aufgefaßt werden. Die Investitionsentscheidungen bestimmen die Vermögensstruktur und sind mit den Finanzierungsentscheidungen, die die Kapitalstruktur determinieren, abzustimmen. Hierbei sind als relevante Kriterien zur Beurteilung der Zweckmäßig­keit von Maßnahmen zum Bilanzstrukturmanagement die finanzwirtschaftlichen Zielgrößen Gewinn bzw. Rentabilität sowie Liquidität heranzuziehen. Neben dieser finanzwirtschaftlichen Sicht muss die Erfolgssituation des Unternehmens in einem nach entscheidungstheoretischen Grundsätzen angemessenen Verhältnis zur Risiko­situation stehen.

Im Rahmen des Bilanzstrukturmanagements ergibt sich anhand folgender Aussagen für die Größen Gewinn bzw. Rentabilität und Liquidität ein Zielkonflikt finanzwirt­schaftlicher Entscheidungen mit langfristigem Zeitbezug:

  1. Der Gewinn steigt mit geringer werdendem Anteil der liquiden Vermögenswerte am Gesamtvermögen, während sich die Liquidität bei steigendem Anteil der li­quiden Vermögenswerte erhöht.
  2. Der Gewinn steigt mit höherem Anteil der kurzfristigen Finanzierung am gesam­ten Kapitalvolumen, während die Liquidität bei sinkendem Anteil der kurzfristi­gen Finanzierung steigt.

Der sich auf die Aktivseite der Bilanz beziehende erste Sachverhalt beinhaltet, dass durch die liquiditätsverringernde, langfristige Kapitalbindung in Realinvestitionen höhere Gewinne als bei kurzfristiger Anlage der Finanzmittel zu erzielen sind. Eine relative Erhöhung des Anlagevermögens durch eine Ausweitung von Investitionen mit hohem Erwartungswert bezüglich der Rendite zu Lasten einer relativ geringeren Dimensionierung des finanziellen Umlaufvermögens verbessert langfristig die Ge­winnsituation und damit auch die Liquidität, obwohl zunächst kurzfristig Belastun­gen der Liquiditätssituation auftreten. Eine übervorsichtige Liquiditätspolitik kann zwar kurzfristig die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sicherstellen, gefährdet aber langfristig die Existenz der Unternehmung.


Die sich auf die Passivseite der Bilanz beziehende zweite Aussage ergibt sich als Folgerung aus der zuvor betrachteten Zinstheorie. Hiernach sind die Kapitalkosten kurzfristiger Finanzmittel wegen der Liquiditätspräferenz der Anleger niedri­ger als bei langfristig zur Verfügung stehendem Kapital. Folglich verbessert die relative Erhöhung der kurzfristigen Verbindlichkeiten bei relativer Reduktion der langfristigen Kapitalaufnahmen ceteris paribus die Gewinnsituation des Unterneh­mens. Eine solche Finanzierungspolitik beinhaltet jedoch ein höheres Prolongations­risiko und damit notwendigerweise eine Verschlechterung der Liquidität.

Die finanzielle Unternehmensrechnung bildet den betrieblichen Geldumwandlungs­prozess der permanenten Kapitalbindungen und Kapitalfreisetzungen ab. In diesem Zusammenhang können Bilanzen als Schnitte durch den Geldumwandlungsprozess interpretiert werden, bei denen die Finanzmittelherkunft (Finanzierung) und die Fi­nanzmittelverwendung (Investition) dargestellt werden. Die handelsrechtlichen Be­stimmungen ordnen die Vermögenswerte auf der Aktivseite der Bilanz (Anlage- und Umlaufvermögen) nach der Regelfristigkeit der Kapitalbindung. Auf der Passivseite der Bilanz werden die Kapitalpositionen (Eigen- und Fremdkapital) nach der Fristig­keit der Finanzmittelüberlassung geordnet. Hierbei sind im Rahmen der Kapital­strukturregeln die im nächsten Abschnitt darzulegenden Beziehungen zwischen der Fristigkeit des Kapitals und der Bindungsdauer des Vermögens zu beachten.